“Ich will keine Leben retten”

Vor kurzem habe ich den Satz gehört: “Ich studiere Medizin, damit ich Leben retten kann.” Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Studiere ich nicht Medizin, weil ich keine Leben retten will? Eigentlich ist Leben retten ja eine gute Sache, also warum tue ich nicht alles mögliche, um Leben retten zu können? Medizin studieren zum Beispiel. Und wieso steht in meinen Gedanken jetzt über meinem Leben die Überschrift “Ich will keine Leben retten”?

Zunächst einmal retten nicht nur Mediziner Leben. Leben werden auch von Hilfsorganisationen in Krisengebieten und sogar von Soldaten im Krieg gerettet. Es geht nicht nur um Leben retten. Es geht auch um Leben schützen, Leben unterstützen und Leben verschönern. Außerdem bedeutet der Begriff “Leben” mehr als nur körperliche Gesundheit.

Meiner Meinung nach geht es eigentlich darum, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Einen Beitrag zur Gemeinschaft der Menschen. Nach Karlfried Graf Dürckheim hat der Mensch einen doppelten Auftrag.

  1. die Welt gestalten in Werk

  2. reifen auf dem inneren Weg

Die Gestaltung der Welt für die Gemeinschaft der Menschen wird dazu führen, das “Leben” gerettet, geschützt, unterstützt und verschönert werden können. Vielleicht nicht direkt von mir, aber dann indirekt über die nächste oder übernächste Instanz in der Wertschöpfungskette. Zum Beispiel rettet der Hersteller von Seife keine Leben, aber der Arzt, der sich damit die Hände wäscht. Die Antwort auf die oben gestellten Fragen sehe ich in diesem doppelten Auftrag.

Was denken Sie?

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