Unterstriche erhöhen die Lesbarkeit

Unterstriche in Testklassennamen und Testmethodennamen optimieren unterbewusste Augenbewegungen, entlasten damit die Augen und ermöglichen schnellere Erfassung der Zusammenhänge!

Der Mensch liest nicht buchstabenweise, sondern erfasst Wortbilder oder Teile davon nach spontanen, willkürlichen Bewegungen des Auges, den Sakkaden. Das Auge springt also von einem Zielpunkt zum Nächsten. Das sind die Sakkaden. Dann findet die Fixation statt, indem das Auge sich auf ein Wort fokussiert. Nur bei den Fixationen kommt es zu einer Informationsaufnahme. Fixationen nehmen rund 90 bis 95 Prozent der Gesamtlesezeit ein. Falls das Wort nicht erkannt wird oder irgendetwas dazwischen kommt, springt es automatisch wieder dahin zurück von wo es gesprungen ist. Das sind die Regressionen.

In “KadschfunHuAugenbewegungJfdskHundOhrHeIzr” existieren keine Wortzwischenräume sodass die Zielpunkte für die Sakkaden schwer zu finden ist. Dagegen in “Kadschfun Hu Augenbewegung Jfdsk Hund Ohr HeIzr” sind die Zielpunkte schneller zu finden, weil die Wortzwischenräume automatisch Zielpunkte für die Augen bilden. Ein optimaler Wortzwischenraum unterstützt Sakkaden und den Fixationsprozess. Es finden weniger Regressionen statt.

Testklassennamen oder Testmethodennamen bestehen häufig aus mehreren Eigenworten wie beispielsweise Klassennamen und Methodennamen. Ein gutes Beispiel dafür ist “InvoiceSubModuleVerschiedeneRvgStaendeTest“. Diesen Namen kann der menschliche Leser wesentlich langsamer lesen als “InvoiceSubModule VerschiedeneRvgStaende Test“.

Das liegt daran, dass hier die Augen das Wort InvoiceSubModule in der zweiten Schreibweise viel schneller nämlich unterbewusst erkennen können und weniger suchen müssen.

Wenn die Zielpunkte schwerer zu finden sind, muss das Auge mehr suchen, also hin und herspringen. Und je öfter das Auge springen muss, um einen Text zu erfassen, desto schneller ermüdet es. Außerdem wird der Lesefluss erheblich gestört und die Lesebereitschaft nimmt ab was dazu führt, dass ähnliche Texte fälschlicherweise als gleich angesehen werden.

Quellen

“Der menschliche Lesefluss findet in drei Phasen statt: Sakkaden, Regression und Fixation. Sakkaden sind spontane Blickbewegungen, die willkürlich und zielgerichtet ausgeführt werden, um bekannte Wortbilder oder Teilstücke davon zu identifizieren. Geübte Leser erfassen Texte nicht aus einzelnen Buchstaben, sondern erkennen an der Form des Wortbildes das einzelne Wort. Es genügt oft schon, wenn die Anfangs- und Endbuchstaben sowie die Buchstabenanzahl stimmen, um ein Wort zu erkennen – auch wenn im Wortinneren die Buchstaben einmal durcheinander geraten sind.
Das Auge springt von einem Zielpunkt zum nächsten und findet mühelos zurück, falls sich Ungereimtheiten auftun. Dieses Zurückspringen wird als Regression bezeichnet. Je schwieriger ein Text zu lesen ist, desto häufiger kommt es zum Hin- und Herspringen.
Sowohl die Sakkaden als auch die Regression dienen zunächst nur dem Erfassen des Textes; ein Sinnzusammenhang wird noch nicht erkannt. Dies geschieht erst in einer Fixation genannten Ruhephase, in der das Auge für einen kurzen Moment eine Ruheposition einnimmt, um dem Gehirn das Entschlüsseln der Botschaft zu ermöglichen. Diese kurzen Momente der Fixation nehmen jedoch beim Lesen mit bis zu 90% den überwiegenden Teil der gesamten Lesezeit ein.”

Aus <http://kadekmedien.com/2010/03/03/lesbarkeit-von-texten/ >

Ein optimaler Wortzwischenraum unterstützt den Fixationsprozess und dient somit derLesbarkeit einer Schriftsatzarbeit. […]
Bis in die 1970er Jahre wurde in der typographischen Literatur, z.B. in der von Jan Tschichold (1902–1974), die Formulierung »tadelloser Ausschluß« verwendet. Heute könnte man diese Begrifflichkeit als »idealer Wortzwischenraum« bezeichnen. […]
Wortzwischenräume werden in der relativen Maßeinheit Geviertgemessen.

Aus <http://www.typolexikon.de/w/wortzwischenraum.html >

Für den optimalen Wortzwischenraum gibt es die Faustformel 1/3 eines Gevierts […]
Starke Schwankungen des Wortzwischenraums behindern den Lesefluß. Das Auge erfaßt beim Lesen nicht Buchstaben und setzt sie zu Wörtern und Sätzen zusammen, es sieht Wortgebilde als bekannte Muster. Hierbei sind Unregelmäßigkeiten äußerst hinderlich. […]
Als optimal werden 50 bis 60 Zeichen pro Zeile für längere Lesetexte angesehen. Dies bringt im Blocksatz gute Wortzwischenräume.

Aus <http://edoc.hu-berlin.de/e_rzm/18/bynum/7.pdf >

Ohne Interpunktion und Wortzwischenräume wäre das schnelle und stille Lesen undenkbar. (Vgl. Fritzsche, S. 108.) […]
Die Wortzwischenräume erleichtern das schnelle und einfache Erfassen der Wortbilder bei längeren Zeilen und bieten eine Orientierung beim Zeilensprung des Auges. (Willberg/Forssman: Lesetypografie, S. 90.)

Aus <http://bmb.htwk-leipzig.de/fileadmin/fbmedien_bmp/downloads/Abschlussarbeiten/Zweisprachige_Mikrotypografie_Amelie_Solbrig_VH-02.pdf >

Argumente gegen Unterstriche

“Coding Styles gelten für Test-Code und Produktivcode” Was sagt Uncle Bob wirklich? Qualitätsansprüche oder Namenskonventionen? Es geht um die Qualität des Tests und wenn der Methodenname aussagekräftiger ist, desto besser. Ein Name wie “FinalizeDossierTest” ist zu allgemein und beschreibt nicht, was die Test-Methode testet, sondern nur, welche Produktivcode-Methode sie aufruft. “FinalizeDossierTest” trifft für beliebig viele Testszenarien zu, die hoffentlich nicht alle in der einen Test-Methode implementiert sind.

“Es ist besser wenn für Produktivcode-Methoden und Testmethoden gleiche Konventionen gelten, Qualität und so” eben nicht! Tests haben eine ganz andere Existenzberechtigung und damit auch andere Anforderungen als Produktivcode. Zum Beispiel die Verwendung des “Test”-Postfix (eigentlich sinnlos da Test-Attribut), des TestMethodAttribute und von Microsoft.VisualStudio.TestTools.UnitTesting.Assert ist nur in Tests sinnvoll. Auch sollten Tests nicht von anderen Tests abhängig sein. All diese “Konventionen” sind nur in Tests sinnvoll. Auch wenn die Testmethode die “gleichen Konventionen” einhält wie die anderen Methoden, wird die Qualität dadurch absolut nicht besser. Eine schlechte Testmethode bleibt schlecht. Einfachheit, Verständlichkeit und Vertrauenswürdigkeit macht eine Testmethode qualitativ besser. Nach Roy Osherove: Readable, Maintainable, Trustworthy http://artofunittesting.com/definition-of-a-unit-test/

“Unterstriche kommen in den Guidelines von .NET nicht vor” gemeint ist CA1707: Identifiers should not contain underscores (http://msdn.microsoft.com/en-us/library/ms182245.aspx) und General Naming Conventions (http://msdn.microsoft.com/en-us/library/ms229045.aspx) aber da geht es um API-Design, nicht um Test-Szenarien. Das wird auch dadurch deutlich, dass Jeff Prosise in “Framework Design Guidelines” (Seite 73) die Benutzung von Unterstrichen zur Kennzeichnung von privaten Feldern legitimiert. Auch Mike Fanning (Seite 377) legitimiert Unterstriche in Membern, die nicht extern sichtbar sind, wie beispielsweise Event Handlern, die nicht öffentlich sind. Auch Roy Osherove nutzt Unterstriche nicht in Wörtern, sondern zur Abgrenzung der drei Bereiche. Worum es in der Guidelines aber explizit geht ist “readability over brevity” (Lesbarkeit vor Kürze)

“Namen der Testmethoden werden zu lang” dann wird wahrscheinlich zu viel getestet. Durch kürzere Testmethodennamen werden die Tests auch nicht besser, sondern zwingen den Programmierer den Testcode vollständig zu lesen um zu verstehen, was eigentlich getestet wird (Zeit!). Robert C. Martin sagt: “The name of a function should correspond inversely to the size of its scope.” Wenn die Methode von vielen aufrufbar ist, sollte sie einen kurzen Name haben. Methoden, die von wenigen aufgerufen werden, können längere Namen haben. Testmethoden werden nur vom Testrunner aufgerufen und haben daher einen ganz kleinen Scope. Also sind längere Namen erlaubt.

“Prägnante Namen sind besser” bei Namen der Testmethoden geht es nicht um Prägnanz sondern Aussagekraft! DossierFinalizeTest() ist zwar prägnant aber sagt nur, welche Methode getestet wird -> schlecht. Die Testmethode sollte kurz sein und der Name aussagekräftig, nicht anders rum.

Das einzige was besser wird, ist die Professionalität des Teams, die es schafft, sich an eine Regel zu halten, um der Regel Willen. Das hat mit Qualität nichts zu tun.

Kompromiss

Wenn Ihre Coding Quidelines trotzdem Unterstriche verbieten, installieren Sie sich doch einfach meine Visual Studio Extension, die die Unterstriche in Test-Methodennamen einfach wieder anzeigt: https://github.com/halllo/MethodNameRepainting

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Test Code with Single Responsibility Principle and Single Level Of Abstraction

The test code should depend on nothing, especially not the code under test. That can be achieved with an abstract base class with test methods. That makes sure the test code is on a high level of abstraction and closer to the domain model than to the code model. No more mock setups and other low level constructs mixed with the logic. A test adapter should connect test code with the implementation it should assert upon. The test adapter could be a derived class implementing the abstract members to invoke the code under test.
How do you see that the abstract test class is not dependent on the code under test? Usus.Net or some other static code analysis tool shows the type dependencies.
There are similarities to FIT here. Tests are loosely coupled from the implementation. The greatest advantage in my opinion is that the “test language” can be created independently from any implementation detail.

Example

public abstract class MultiplySpecification
{
	protected abstract int Multiply(int first, int second);

	[TestMethod]
	public void _1times2_equals_2()
	{
		Assert.AreEqual(2, Multiply(1, 2));
	}

	[TestMethod]
	public void _2times2_equals_2()
	{
		Assert.AreEqual(4, Multiply(2, 2));
	}
}

[TestClass]
public class MultiplyTestAdapter1 : MultiplySpecification
{
	protected override int Multiply(int first, int second)
	{
		return new CodeUnderTest().Multiply1(first, second);
	}
}

[TestClass]
public class MultiplyTestAdapter2 : MultiplySpecification
{
	protected override int Multiply(int first, int second)
	{
		return CodeUnderTest.Multiply2(first, second);
	}
}

public class CodeUnderTest
{
	public int Multiply1(int first, int second)
	{
		return first * second;
	}

	public static int Multiply2(int first, int second)
	{
		return first * second;
	}
}

CleanCode & Software Craftsmanship

CleanCode ist für mich persönlich, damit mein Code gut wird. CleanCode ist es nicht würdig darüber zu diskutieren oder zu verteidigen. Ich gewinne nichts, wenn ich versuche meinen Pairings Partner zu überzeugen: a men convinced against his will is of the same opinion still.
Ich verliere nur Zeit, Nerven, Motivation. Mein CleanCode ist wichtig. CleanCode anderer ist unwichtig. Wenn mein Pairings Partner zu meinem Code einen “Vorschlag” hat, prüfe ich diesen auf Korrektheit, nicht auf CleanCode. Er darf den Vorschlag dann implementieren. Ich sage nichts, mache mir aber bewusst, welche Nachteile der Vorschlag in Bezug auf CleanCode hat. Als Konsequenz versuche ich öfter mit Partnern zu pairen, die CleanCode machen und weniger mit welchen die nicht. Um mich und mein CleanCode zu schützen. CleanCode und Software Craftsmanship ist MEIN Handwerk!